Save the last dance

Meine Tanzschule veranstaltet sonntags immer ein Open-Air Tanzen im Westpark. Jeder darf mal den DJ spielen und sich um die Organisation kümmern. Man muß sich nur vorher in der Tanzschule melden, um Musikbox und Genehmigung zu bekommen. Eigentlich war die Saison offiziell schon zu Ende gegangen, aber für den ersten Sonntag im Oktober war noch schönes Wetter angesagt. Über Facebook meldeten sich einige Tanzwillige, doch es wollte keiner für Organisation und Beschaffung der Ausrüstung zuständig sein. Da haben sich zwei Frauen mit mir zusammengetan und es wurde ein voller Erfolg. Ich kannte die beiden persönlich kaum, aber wir hatten alles da: Sekt, Sessel, Swingmusik – und nach anfänglichen technischen Problemen war die Tanzfläche voll. Die Sonne kam raus, unsere Leute kamen raus und mittlerweile 5 DJs gaben sich das Klinkenkabel in die Hand. Die Atmosphäre im Park ist immer sehr schön und immer etwas Multikulti. Türkische Großfamilien machen Picknick neben grillenden Studenten, chillenden Reggea-Rastas und am Rande der Tanzfläche sitzen Rentner neben Rockern. Oft sind ein paar Kinder dabei, die auch mittanzen wollen, aus allen Nationen dieser Welt. Am Sonntag, bei unserem letzten Tanz im Park, gab es einen besonders schönen Abschluß. Die Sonne neigt sich schon zum Horizont, da kommen drei Männer herbeigeschlendert, südländische Erscheinung. Sie setzen sich auf eine Bank, wo auch Sachen von uns liegen. Die Frau neben mir guckt besorgt, und meint, sie hätte kein gutes Gefühl. Ein kleiner Junge ist auch dabei, ich schimpfe ihn, er solle nicht mit dem Rad über die Tanzfläche fahren. Die Männer schauen uns interessiert beim Tanzen zu. Als wir anfangen, alles einzupacken, gehen die Drei auf die Tanzfläche und zeigen uns, was sie so drauf haben. Sie bilden eine Reihe, der erste zückt sein Handy und sie springen herum wie die Derwische. Eine Mischung aus Pogo und Sirtaki. Der kleine Junge umkreist die Tänzer und filmt alles mit einem Handy. Nun ist es an uns, zu staunen! Die Musik ist so leise, kaum zu hören. Wir fragen, was ist das für ein Tanz? Arabic, Syria! rufen die Männer. Ich nehme ihnen das Handy ab und stöpsele es an unsere Box. Zwei von unseren Tänzern reihen sich ein und tanzen mit. Springen herum und lachen mit den Syrern. Als das Lied verstummt klatschen alle Applaus.

Ob die drei Männer auf der Flucht waren, weiß ich nicht. Sie kamen auf uns zu, waren neugierig und offen, obwohl sie kein Wort Deutsch sprachen. Bestimmt fanden sie unseren Tanz genauso exotisch, wie wir den ihren.  Zum Abschied haben wir uns fröhlich zugewunken.

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