Alle Beiträge von Susanne Weihl

Über Susanne Weihl

Hier zeige ich Euch meine kleinen Werke, meist gestrickt, gehäkelt oder genäht und erzähle Geschichten, die das Leben so schreibt. Viel Spaß beim Lesen.

Kärchern

Endlich Frühling!
Nach einem schier endlosen, furchtbar kalten Winter war es plötzlich da:
Das erste schöne Wochenende voller Wärme und Sonnenschein.
Raus! Aktiv sein! Irgendetwas machen, worauf man sich schon seit Monaten gefreut hatte. Zum Beispiel in den Biergarten gehen. Ich traf einen Freund, wir sprachen übers Wetter. Ich erzählte von der Radtour am Tag zuvor und er so:
„Ich hab gestern die Einfahrt gekärchert. Ich sah aus!“
Nun kenne ich zwei-drei Männer, die einen Hochdruckreiniger besitzen und auch benutzen. Das ist ja so ein Männerding: eine Maschine, die Krach macht.
Mit Wasser spielen und das Revier markieren:
„Meine Einfahrt, mein Kärcher, mein Reich“

Vor einiger Zeit war ich einmal auf einer Familienfeier bei einer Freundin.
Als die ersten Gäste kamen, drängte es ihren Mann spontan aus dem Festtagsanzug in den Arbeitsoverall, um draußen den Terrassentisch zu kärchern. Drinnen amüsierte sich die Verwandtschaft beim Sektempfang über die Vorstellung jenseits der Terrassentür. Seine Frau fand es nicht lustig.
Den schönsten Anblick bei der Arbeit mit dem Hochdruckreiniger aber bot für mich immer mein Vater. Er war der nachhaltigste Mensch, den ich kannte. Aufgewachsen im Krieg, konnte er nichts wegwerfen. Alles wurde irgendwie weiter verwendet.
Ausserdem war ihm stets egal, was die Nachbarn dachten, wenn er seinen Mittagsschlaf auf der Gartenliege abhielt, bekleidet mit nichts als einem Kapselgehörschutz.
Beim Kärchern trug er auch nur das Nötigste. Das waren Gummistiefel, Gehörschutz und eine selbst gemachte Schürze. Diese Schürze gibt es, länger als ich denken kann, denn sie wurde aus einem alten Faltdach eines VW-Käfer geschnitten. Als Träger dienen ausrangierte Rolladengurte. Die Schürze ist unkaputtbar und einzigartig. Eigentlich hatte ich versprochen, die Bilder nicht zu veröffentlichen, aber ich liebe es, meinen Vater so vertieft in seinem Element zu sehen und muss es einfach zeigen. Er trägt übrigens unter der Schürze eine kurze Hose.
Den Mann meiner Freundin habe ich natürlich auch fotografiert, aber ein schwarzer Overall kann mit der Schürze leider nicht mithalten.
Über all diese Bilder im Kopf hatte ich ganz vergessen, den Freund neulich zu fragen, wie er denn nun ausgesehen hat. Ich kann mir ja einiges vorstellen.
Daher jetzt ein Aufruf an meine Leser:
Was tragt Ihr beim Kärchern? Schickt mir Eure schönsten Bilder!

Duschen entspannt

Neulich kam ich nach Hause und fand einen Zettel im Treppenhaus:

Heizung defekt, Warmwasser frühestens wieder am Montag.

Super, wenn man nur am Wochenende zu Hause ist, dachte ich.

Am nächsten Tag fiel auch noch der Strom aus, mindestens für 3 Stunden.

Daher freute ich mich sehr aufs nächste Wochenende mit einer schönen, heißen Dusche und Stunden vor dem Rechner oder Fernseher. Wie man sich doch an so etwas gewöhnt…

Als ich dann voller Freude die Dusche anstellte, machte es knack und die Halterung war zerbrochen. Grrrh. Aber ich kam sowieso später am Baumarkt vorbei. In weiser Voraussicht hatte ich einen Zollstock an die Duschstange gehalten, um den Durchmesser zu ermitteln. Leider ungenau. 21mm hatte ich aufgeschrieben, doch es gab nur Halterungen in 18 oder 25mm. Was tun? Beide kaufen, um dann eine wieder umzutauschen oder das 50/50 Risiko eingehen? Ich entschied mich für 50/50. Und erwischte die falsche. Also wieder zum Baumarkt. Zurück im heimischen Bad, endlich mit der richtigen Größe wollte ich die zerlegte Duschstange etwas reinigen. Da macht es wieder knack und das Unterteil der Wandbefestigung zerbröselt. Hrrrrgggrrhmmpfff!!!!

Ich war total außer mir! Mein Freund musste alle Schubladen ziehen um mich zu überreden, ein drittes Mal (!!!!) zum Baumarkt zu fahren. Jetzt für eine komplett neue Duschstange. Er würde auch mitkommen und mich hinfahren. 40,- haben wir hingelegt für ein Ensemble, das zum Abstand der Dübel in der Wand passen sollte.

Na gut. Es passte. Als wieder alles montiert war, musste ich nur noch die Zierkappen auf die Wandhalterung schieben. Unten kein Problem. Aber oben wollte es nicht drauf rutschen. Ein wenig klopfen, drauf. Und schief. Und bewegt sich nicht mehr. Aaaaarrrrgghhhh!!!! Ok, man sieht es kaum, wenn man es nicht weiß. Die Funktion ist auch nicht beeinträchtigt. Wir lassen das jetzt so.

Büro-Talk

Neulich kam eine Kollegin vom Zahnarzt, doch anstatt zu jammern fing sie an, von dem gut aussehenden, charmanten Arzt und seiner tollen Praxis zu schwärmen.
So sehr, dass wir uns gefragt haben, was er ihr wohl in die Spritze getan hatte.
Als die Kollegin auch noch schwärmte, wie nett der Arzt seiner Helferin an den Arm gefasst hätte, gingen gleich die Spekulationen los, was der Arzt mit der Assistentin auf dem Behandlungsstuhl wohl alles treiben könnte. Es war ein heißer Tag und allen fiel es schwer, sich auf die Arbeit zu konzentrieren.
Von Hölzchen auf Stöcksken kam dann eine andere Kollegin mit einem Schwank aus ihrem Leben:
Die Kirmes im Nachbarort ist hier auf dem Land immer ein großes Ereignis. Alle sind da, vor allem abends im Festzelt. Wie die Kollegin mit einer Freundin zur Toilette geht – Frauen gehen ja immer zusammen – bemerken die beiden ein Pärchen in einer Toilettenkabine. Schnell ist auch klar, wer sich da mit wem vergnügt und dass die beiden eigentlich gar nicht zusammen gehören. Meine Kollegin in feucht-fröhlicher Stimmung hat zufällig einen leeren Bierkrug zur Hand. Ein Blick reicht, schon ist der Krug mit Wasser gefüllt und SCHWAPP! oben über die Toilettentüre auf das Pärchen in Aktion gekippt. Schnell aus dem Staub machen und sich nichts anmerken lassen, als die beiden Triebtäter mit nassen T-Shirts zurück in den Saal kommen!
Die Kollegin muss heute noch lachen, wenn sie die beiden sieht,
obwohl der Spaß schon lange her ist.
Wir lachen mit!

Magnus Maus

Endlich ist Magnus, die Strickmaus fertig.
Sogar mit Latzhose.
Die Anleitung ist von den wunderbaren Norwegern Arne & Carlos
aus dem Buch Gardenstrikk.
Ihr findet sie auch bei Brigitte:

http://www.brigitte.de/leben/wohnen/selbermachen/anleitung-zum-selbermachen–wir-stricken-uns–ne-maus—eine-magnus-gartenmaus–10159754.html

Wie immer hat es großen Spaß gemacht, so ein schönes Tier zu stricken,
allein die Farbwahl bei der Hose hat das Projekt ins Stocken gebracht.
Noch weiß ich nicht, für wen die Maus sein wird….

Auf dem Dach

Neulich war ich bei meinen Eltern. Es war der erste warme Frühlingstag und es war ein besonderer Tag, denn meine Mama war aus dem Krankenhaus entlassen worden. Obwohl es ihr immer noch ziemlich schlecht ging, saß sie nun wenigstens auf ihrem Sofa mit Blick auf den wunderschönen Garten. Mein Bruder hatte mich gebeten, den Gärtner zu bestellen, damit er die Dachrinne und möglichst auch das Dach von Laub und Dreck befreien sollte. Allerdings meinte mein Bruder, der Gärtner würde sich scheuen, auf das Dach zu steigen, gegebenenfalls wolle er dann selber nacharbeiten. Mein Bruder und klettern? dachte ich und war beunruhigt. Das Dach war doch immer mein Revier gewesen. Dort hoch gehen und ein wenig Laub fegen, das konnte ich doch machen. Der türkische Gärtner meiner Mutter ist ein charmanter Typ und flirtet für sein Leben gern. Beim ersten Mal war ich ganz schön irritiert. Arbeiten kann er aber auch. Als ich ihm erklärte, was zu tun sei und dass ich aufs Dach gehen würde, machte er große Augen. Natürlich kam er sofort mit rauf. Das Wetter war herrlich und auch wenn es ganz schön anstrengend war, hat es doch großen Spaß gemacht, die ganze Zeit Komplimente mit türkischem Akzent zu bekommen. Wir saßen auf dem Dachfirst für eine Zigarettenpause und er strich mir ein paar Haare aus dem Gesicht. Ziemlich kess fand ich das für einen treuen (?) Familienvater! Also machte ich mir einen Spaß und erzählte, dass ich 13 Jahre alt gewesen bin als wir 1982 das Dach ausgebaut haben. Lustig, wie der Gärtner anfing, auf türkisch an den Fingern abzuzählen, wie alt ich wohl jetzt sein müsste. Er kam zu dem Ergebnis, dass wir ungefähr gleich alt sind. Und dann war es auf einmal egal, dass wir auf dem Dach saßen, nicht weil es verboten war, sondern um dort zu arbeiten. Der Garten lag unter uns im rosigen Schimmer der Kirschblüten, die Aussicht war immer noch so grandios, wie vor 30 Jahren und es machte keinen Unterschied, ob man nun 18 oder 48 war. Sogar die Dachpfannen waren noch erstaunlich gut in Schuss. Und auch wenn ich mich nicht getraut habe, über den First zu balancieren – es hat sich immer noch genauso gut angefühlt, wie früher: Ganz oben zu sein!

Die Jane Fonda von Oberhonnefeld

Seit einiger Zeit habe ich einen neuen Job. Leider nicht in der Nähe meiner geliebten Heimatstadt Dortmund, sondern fernab der Zivilisation im Westerwald. Der Ort, in dem sich mein Arbeitgeber befindet, hat nur 1000 Einwohner. Ausser der Firma gibt es dort höchstens noch einen Angelverein. Ich habe eine kleine Wohnung ein paar Dörfer weiter bezogen, wo es immerhin einen Supermarkt und eine Tankstelle gibt und für den Sommer ein schönes Freibad. Nun werde ich oft gefragt, was ich denn hier so abends mache, so ganz alleine in der fernen Ödnis.
Eigentlich nichts anderes, als vorher auch nach einem langen Arbeitstag.
Auf der Suche nach einer Sportmöglichkeit hatte ich mir schon ein paar Fitness-Studios angeschaut, die mir alle nicht zusagten. Sogar in einer Tanzschule war ich zum Probetraining, doch leider wollte der gutaussehende Mitt-Fünfziger (der mir zur Seite gestellt wurde) das Training nicht mit mir fortsetzen. Eines Abends quoll mal wieder das lokale Anzeigenblättchen aus meinem Briefkasten.
Dort fand ich zwischen den aktuellen Wildschwein-Warnungen und Kettensägen-Seminaren eine kleine Notiz der Volkshochschule: Aerobic-Kurs, noch Plätze frei.
Der Termin passte gut, der Preis war günstig, die Veranstaltung lief im Nachbarort nicht allzu weit.
Schon griff ich zum Hörer und hab mich angemeldet.
Am nächsten Tag bin ich einmal vorbei gefahren, um zu sehen, wo der Kurs wohl stattfindet.
Zuerst konnte ich es gar nicht glauben. Es war nämlich in einem Vorort vom Nachbarort, und der Nachbarort ist nicht groß. Also am alleräußersten Rande der Welt, nur über winzig kleine, schmale Straßen zu erreichen, die sich über die Hügel und Felder nahe der A3 winden.
Am Ziel erwartete mich keine Turnhalle oder Gemeindehaus oder was auch immer man als Ort für einen Aerobic-Kurs erwartet hätte, sondern ein großes apricot-farbenes Haus, das sehr privat aussah. Doch als ich mich bei meinen Kollegen erkundigte, wunderte sich niemand. Das sei auf jeden Fall der richtige Ort.
Dann kam der erste Kurs-Abend. Trotz der Recherche im Vorfeld habe ich mich verfahren und kam zu spät. Hinter der Haustüre erwartete mich ein sehr privat wirkendes Treppenhaus mit Topfblumen, aus dem Keller hörte man Stimmen. Hier war ich richtig. Der Kursraum war zwar klein, aber es sollten ja auch nur 10 Teilnehmer sein. Der Partykeller dient als Umkleide: dort grüßen Pferdebilder von den Wänden, alte Hufeisen dienen als Garderobenhaken und über dem Tresen hängt eine alte Holz-Egge.
Die größte Überraschung war jedoch die Trainerin selbst. Bei ihrem Namen hatte ich keine junge Frau erwartet, aber Hildegard Runkel hätte locker meine Mutter sein können. Und ich bin auch nicht mehr die jüngste. Das Training war spitze. Bei Hilde im Keller lief fetzige Musik, es gab lustige Sprüche und fordernde Übungen. Hilde selbst turnt alles mit und achtet gleichzeitig darauf, daß alle richtig mitmachen. Und sieht dabei auch noch klasse aus. Schlank und geschmeidig bewegt sie sich im Takt, trägt Stirnband und Stulpen und ein Glitzershirt. Alter? Egal!
Neulich lief im TV eine Preisverleihung, bei der die echte Jane Fonda zu sehen war.
Sie ist genau der Typ. Jetzt freue ich mich jede Woche schon auf das Training im Keller am Ende der Welt. Es motiviert mich sehr, wenn ich sehe, wie fit man sein kann, auch weit jenseits der 30.
Und wenn Ihr mir nicht glaubt, könnt Ihr ja mal auf die Webseite der fitten Hilde schauen:

http://www.hilde-runkel.de

Rollbrett 4.0

Ich habe eine neue Wohnung.
Und was ich dafür brauche, kaufe ich größtenteils bei ebay.
Neulich kaufte ich einen Teppich von einem Herrn in Köln.
Als ich in seiner Wohnung stand, fiel mir ein komisches Holzbrett
auf dem Boden auf. Bei näherem Hinsehen stellte ich fest, es war ein „Rollbrett“

http://www.rollerbone.com/de/products/rollerbone-1-0

Dieses Sport- & Spielgerät hatte mein Vater geliebt.
Als ich klein war, hat er es mir oft vorgemacht.
Wann immer ihm ein dickes Rundholz oder Rohrstück in die Hände fiel,
rief er, guck mal: daraus kann man ein tolles Rollbrett bauen!
Dann suchte er irgendwo ein Brett hervor und zeigte uns,
wie man darauf balanciert und hin und her wippt.
Das war gar nicht so einfach!
Neugierig fragte ich den Mann, was er mit dem Brett trainieren würde.
Sogleich bekam ich eine Kostprobe seines Könnens.
Er sprang auf das Brett, wippte hin und her und auf und ab
und erklärte, das sei gut für die Rumpfmuskulatur.
Das bräuchte man beim Surfen.
Ach ja? Das Surfbrett in der Wohnung war also gar kein Dekorationsobjekt.
Ich erzählte ihm von meinem Vater, der sein Studium in Köln verbracht
und mit Anfang 60 noch einen Kurs im Kitesurfen belegt hatte.
Ehrlich gesagt habe ich in meinem Leben bisher keine weitere Person getroffen,
die mir auf so einem Brett etwas vorgeturnt hat.
Das Brett sei aber keine Kölner Erfindung, meinte der Mann.
Dann stellte er seine Rumpfmuskulatur erneut unter Beweis,
indem er mir den Teppich ganz alleine die 4 Etagen nach unten ins Auto brachte.
Heute wäre mein Vater 76 geworden. Gerne hätte ich ihm die Geschichte erzählt.

Allen Lesern wünsche ich fröhliche Weihnachten!

Salute!

Gestern Abend beim Italiener:

Am Nachbartisch saß ein Paar um die 70,
sie waren schon fertig mit dem Essen.
Wir auch, man prostete sich zu und kam ins Gespräch
– natürlich über das heiße Wetter:
Wir: Ach, so langsam geht es ja wieder mit den Temperaturen…
Sie: Och, ich hab das gern so, da komme ich gut mit klar.
Aber die Leute meckern ja immer.
Er: Bei uns meckert nur meine Frau.
Sie: Jetzt lass mich doch mal in Ruhe meinen Wein austrinken!
Er: Immer werde ich unter Druck gesetzt. (Steht auf und zieht die Jacke an)
Sie: stürzt den Wein runter.
Wir: Oh, jetzt mussten Sie den schönen Wein so hastig runterstürzen.
Sie: Ach was! Ich trinke gleich zu Hause noch zwei, dann ist alles wieder gut.
Wir: Ja, dann noch einen schönen Abend!