Alle Beiträge von Susanne Weihl

Über Susanne Weihl

Hier zeige ich Euch meine kleinen Werke, meist gestrickt, gehäkelt oder genäht und erzähle Geschichten, die das Leben so schreibt. Viel Spaß beim Lesen.

Bluse Butterick 6563 mit Abwandlung á la Smooth Sailing Bluse, genäht auf einer Singer 316 G11, obwohl es eigentlich auf der Pfaff 260 geplant war.

Seit einiger Zeit bin ich Mitglied in einer Gruppe bei Facebook mit dem Namen „Nähen im Vintage Stil“. Da sieht man die tollsten Sachen und denkt, man müsste auch mal wieder was nähen.
Ausserdem treibe ich mich noch in einer anderen Gruppe herum, die sich nennt „ Ein neues Leben für eine alte Nähmaschine.“
Seit ca 1990 nähe ich auf der alten Maschine meiner Oma, eine Singer 316 G11 aus den 50er Jahren.

SAMSUNG

Die Maschine hat mich durch alle Prüfungen begleitet und mir immer Glück gebracht. Mittlerweile ist die Stichplatte rund um das Nadelloch ziemlich verschrammt und der Motor wird es auch nicht mehr ewig machen, aber die Maschine näht immer noch sehr gut. Seit ich aber in meiner Lehre die Pfaff 260 kennengelernt habe, war es immer mein Traum, eine zu besitzen. Leider hatte ich nie den Platz für eine Maschine mit Tisch, bis ich Anfang 2017 aufgrund von Jobwechsel mal wieder eine neue Wohnung bezogen habe.
Das erste Teil, was ich für meine Zweitwohnung angeschafft habe, war die Pfaff 260.

Vor allem deswegen, weil jemand bei ebay ganz in der Nähe der Arbeit eine angeboten hatte, genau in meiner Wunsch-Ausführung: Im Tisch, mit Kniehebel.
Leider, leider gab das schöne Stück nach ein paar Nähten den Geist auf.
Ich brachte sie zur (teuren!) Reparatur und für kurze Zeit ging sie wieder, dann geriet die 260 erneut ins Stocken und kam schließlich ganz zum erliegen.
Auf jeden Fall will ich sie nochmal zur Reparatur bringen, aber jetzt suche ich eine wirklich kompetente Werkstatt und jemanden, der mir die Maschine mitsamt Tisch aus dem 1.Stock tragen hilft.
Die erste Werkstatt wollte nämlich nur die Maschine, da hatte ich den Motor abgebaut und alles einzeln hingebracht.
Über diese ganze Geschichte war ich so frustriert, dass ich nach einer weiteren 260er Ausschau gehalten habe und dann eine sehr schöne fand: Version mit Schrank.
Der Preis war ok und der Veräufer wohnte gut erreichbar.
In diese Maschine bin ich nun ganz verliebt!
Wie auf dem beiliegenden Garantieschein zu erkennen, wurde das Gerät 1961 in Düsseldorf gekauft, mit einigem Zubehör. Sie läuft ganz wunderbar, allerdings ist der Motor nicht so stark, wie bei der Maschine mit Tisch.
Auch ist der Schrank nicht so stabil und wackelt immer leicht beim Nähen.
Dafür sieht sie toll aus und lässt sich super im Schrank verstauen.

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Vor lauter Euphorie über die neue Maschine brauchte ich nun dringend ein Nähprojekt. In meinem Schrank fehlte mir noch eine Bluse, die man gut beim Tanzen tragen kann. Ich kaufte gleich drei verschiedene Stoffe und entschied mich für den, der am wenigsten nach Hochsommer aussah, um mal einen Schnitt mit Vintage Touch auszuprobieren.
Ganz gut fand ich das Modell „Smooth Sailing Blouse“ von Wearing History, jedoch ist der Schnitt nicht mehr lieferbar. Die Ärmel und den Kragen fand ich da auch etwas zu wuchtig. Dann hat mir jemand (Carmen?) den Butterick 6563 empfolen.
Den Schnitt konnte ich einfach bei Amazon bestellen.
Was heißt einfach? Mir war nicht klar, welche Größe ich brauche. In dem Glauben, meine deutsche Gr.42 würde einer amerikanischen 12-14 entsprechen, wählte ich die Packung Gr.6-14. Als ich dann beim Auspacken die Körpermaßtabelle fand, stellte ich fest, dass ich eher eine Gr.18 gebraucht hätte.

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Ich habe dann einen bewährten Blusenschnitt drunter gelegt und es kam mit der Weite in Gr.14 doch ganz gut hin, nur der Brustabnäher war zu klein. Ausserdem fand ich seltsam, dass der Butterick 6563 vorne einen Taillenabnäher hat, hinten jedoch nicht.
Ich habe keine Taille, bestenfalls ein Hohlkreuz. Zuerst wollte ich den Taillenabnäher ins Rückenteil verlegen, aber dann entschied ich mich, ein paar Details einzubauen, die mir bei der Smooth Sailing Bluse gut gefallen hatten. Das war vor allem die Schulterpasse mit Kräuseln.
Für die Passenabtrennung bin ich in der hinteren Mitte 11 cm nach unten gegangen und habe die Schulter 4,5 cm nach vorne verlegt.
Nachdem ich vorne +1,5 cm Vorderlänge eingesperrt hatte, war der Brustabnäher recht groß, so dass ich einen Teil des Abnähers in die Schulter drehen konnte, um dort Kräuselweite zu erhalten. Das Rückenteil habe ich unterhalb der Passe oben in der Mitte 4 cm je Seite aufgedreht. Im Nachhinein finde ich die Kräusel im Rückenteil einen Hauch zuviel. (Anne hatte in der Gruppe kürzlich eine ähnliches Kräuselproblem).

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Jetzt wollte ich die Bluse ja gerne auf der neuen alten Pfaff nähen.
Aber dann hatte ich Urlaub, den ich natürlich nicht in der Arbeitswohnung verbringen wollte. So kam die Bluse unter die treue Singer.
Was ich noch am Schnitt geändert habe: Es war vorne ein angeschnittener Beleg für das Halsloch vorgesehen und die Knopflöcher sollten laut Anleitung quer eingeschlagen werden. Das fand ich für eine Bluse ganz komisch und habe eine normale Knopfleiste gemacht. Was mir in dem Moment nicht bewußt war: Der Bubikragen hat keinen Kragensteg. Ich hätte oben erstmal die Reversecke verstürzen müssen. So schnell kann man wieder auftrennen. Wenn ich die Bluse nochmal mache, schneide ich den Beleg am Halsloch wieder an und arbeite wie beim Reverskragen. Jetzt mußte ich ein wenig pfuschen. Da man den Bubikragen aber sowieso nicht offen trägt – für mich auch ein neues Experiment – fällt der Fehler kaum auf.

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In Punkto Verarbeitung hatte ich mich für Rechts-Links-Nähte entschieden, nur das Armloch ist mit der Overlock versäubert. (Hierzu gab es in der Gruppe auch kürzlich eine Diskussion). Die Passe ist innen mit Stoff gedoppelt.

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Und wie jedes Mal, wenn ich etwas nähe, geht ganz zum Schluß noch etwas schief:
Als ich die fertige Bluse angezogen und wieder ausgezogen habe, blieb der unterste Knopf an einem der Fäden im Knopfloch hängen und hat Fäden gezogen. Das kommt davon, weil ich die Fäden beim Aufschneiden der Knopflöcher nicht gründlich genug weggeschnitten hatte. Jetzt sieht man da so häßliche helle Streifen, weil der Stoff nur dunkel bedruckt ist und nicht durchgefärbt.
Neulich gab es in der Gruppe auch eine Diskussion zum Thema Knopflöcher.
Meine Maschine hat keine Knopfloch-Automatik und nach etwas rumprobieren war ich eigentlich mit den Knopflöchern ganz zufrieden, auch wenn der Abstand in der Mitte zwischen den Raupen etwas breit war. Diese Panne daher als Warnung!

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Mittlerweile hat die Bluse die erste Tanzparty und die erste Wäsche überstanden und ich bin bereit für eine neues Projekt.
Das wird aber nun erstmal eine Hose….

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Feuchte Hände am PC? – Hier ist die Lösung:

Wenn im Büro die Temperaturen sich der 30° Marke nähern, kann so eine Computermaus schon einmal schwitzig-glitschig-feucht werden.
Das übliche Hartplastik fühlt sich dann noch weniger hautfreundlich an, als bei kaltem Wetter.
Jahrelang hatte ich dieses Projekt schon im Kopf, jahrelang bin ich von den Kollegen verspottet worden, wenn ich bei heißem Wetter ein Stück Küchenrolle über der Maus liegen hatte, um den Handschweiß aufzusaugen.

Nach Wochen und Monaten des Schwitzens wurde nun in unserem Büro eine Klimaanlage installiert. Zeitgleich wurde mein gehäkelter Mäuseschoner fertig. Ebenso zeitgleich war natürlich die Hitzewelle vorbei.
Aber – nicht alle PCs stehen in klimatisierten Räumen und der nächste heiße Tag wird irgendwann kommen.
Bis dahin will ich den Prototyp weiter verbessern und eine Anleitung schreiben.
Eine erste Anfrage habe ich bereits vorliegen.
Für Weihnachten eine tolle Geschenkidee?

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Ein Rohr verlegen

Ich habe einen Garten geerbt.
Der Garten ist groß und alt und alt sind auch die Installationen für Strom und Wasser im Garten.
Als ich im Frühjahr das Wasser für den Garten aufgedreht habe, musste ich leider feststellen,
dass der Wasserhahn draußen stark tropfte.
Vermutlich nur die Dichtung, dachte ich, und griff zur Rohrzange.
Nichts bewegte sich. Mehr Kraft!
Und dann hatte ich nicht nur den Hahn in der Hand, sondern auch das Verbindungsstück zum Rohr.
Ja Mist.
Ich fragte meinen Bruder um Rat.
Er: lass einen Fachmann kommen.
Ich: Wie bitte!? Für den Gartenwasserhahn einem Handwerker ein Vermögen zahlen.
Selbst ist die Frau!
Zuerst habe ich Google gefragt und mir bei Youtube ein paar Tutorials angeschaut,
wie man ein Rohr verlegt, bzw. wie man einen festsitzende Hanfdichtung lösen kann.
Flammenwerfer (Lötlampe) war die Empfehlung. Ich hätte zwar eine zur Hand gehabt,
aber die alte Rohrverbindung wieder dicht zu bekommen erschien mir sehr schwierig.
Also in den Baumarkt.
In der Sanitär-Abteilung wurde ich von einer sehr netten und kompetenten Frau beraten.
Ich zeigte ihr den alten Wasserhahn und schilderte mein Problem.
Sie nahm sich sehr viel Zeit und bot verschiedene Lösungen an.
Am Ende kaufte ich: Ein neues Kupferrohr (15mm), einen Wasserhahn,
Teflonband zur Abdichtung (anstelle von Hanf und Fermit),
ein Werkzeug zum entgraten von Rohren, eine Auswahl verschiedener Steckfittings (super!),
ein Werkzeug zum Lösen von Steckfittings und einen kleinen Rohrschneider (Schrott!).

Die Dame vom Baumarkt erklärte mir genau, wie ich vorgehen sollte.
Besonders wichtig: Die alte Verbindungsstelle abschneiden und
die Schnittstelle mit dem Entgrater und Stahlwolle möglichst glatt polieren, damit die Steckverbindung gut dicht hält.

Nach dem weiteren Konsum einiger Youtube Videos zum Thema Steckfittings schritt ich zur Tat.
Es fing gut an, dann ließ der Rohrschneider stark nach.
Ich bekam das Rohr nicht durch. Rohrschneider kaputt.
Laut Youtube sollte man zur Not eine feine Eisensäge nehmen, auf gar keinen Fall mit der Flex rangehen.
Eisensäge hatte ich da. So muss es sich anfühlen, wenn man mit der Nagelfeile aus dem Knast ausbrechen will!
Die ganze Aktion hat 2-3 Stunden gedauert! Aber: Rohr durch!
Und zwar 2x, denn das Rohr führt vom Wasserhahn weiter nach oben zur Gartendusche.
Juchu! Dann: Entgraten und polieren. Wasserhahn mit Teflonband an die Steckverbindung schrauben und Spannung!
Rohr in die Steckverbindung einstecken. Hurra! Nichts kaputtgegangen.
Zum Schluss nur noch das obere Rohr mit dem Anschluss für die Dusche wieder festschrauben.
Kleinigkeit.

Und dann geht doch noch etwas schief.
Ich befestige das Rohr, so wie es sich am besten an den Holzstamm anlegt. Neben die Duschstange.
Als ich dann die Dusche ausprobieren will, stelle ich fest. Zu dicht daneben.
Der Hahn ließ sich nicht drehen. Ja, wie blond bin ich denn!
Aber ansonsten alles dicht und wieder in Funktion.
Die Stange für die Dusche habe ich dann ein Stück versetzt.
Was nicht passt, wird passend gemacht.

Ich war sehr stolz auf mich und schickte die Bilder einem Freund,
der auch einen Garten hat. Außerdem ein Bild von unseren schönen Rosen.
Was bekomme ich als Antwort? Ein Bild von seinen Rosen.
Beim nächsten Mal nehme ich die Flex…

Allen Heimwerkern unter meinen Lesern wünsche ich viel Erfolg!

Kärchern

Endlich Frühling!
Nach einem schier endlosen, furchtbar kalten Winter war es plötzlich da:
Das erste schöne Wochenende voller Wärme und Sonnenschein.
Raus! Aktiv sein! Irgendetwas machen, worauf man sich schon seit Monaten gefreut hatte. Zum Beispiel in den Biergarten gehen. Ich traf einen Freund, wir sprachen übers Wetter. Ich erzählte von der Radtour am Tag zuvor und er so:
„Ich hab gestern die Einfahrt gekärchert. Ich sah aus!“
Nun kenne ich zwei-drei Männer, die einen Hochdruckreiniger besitzen und auch benutzen. Das ist ja so ein Männerding: eine Maschine, die Krach macht.
Mit Wasser spielen und das Revier markieren:
„Meine Einfahrt, mein Kärcher, mein Reich“

Vor einiger Zeit war ich einmal auf einer Familienfeier bei einer Freundin.
Als die ersten Gäste kamen, drängte es ihren Mann spontan aus dem Festtagsanzug in den Arbeitsoverall, um draußen den Terrassentisch zu kärchern. Drinnen amüsierte sich die Verwandtschaft beim Sektempfang über die Vorstellung jenseits der Terrassentür. Seine Frau fand es nicht lustig.
Den schönsten Anblick bei der Arbeit mit dem Hochdruckreiniger aber bot für mich immer mein Vater. Er war der nachhaltigste Mensch, den ich kannte. Aufgewachsen im Krieg, konnte er nichts wegwerfen. Alles wurde irgendwie weiter verwendet.
Ausserdem war ihm stets egal, was die Nachbarn dachten, wenn er seinen Mittagsschlaf auf der Gartenliege abhielt, bekleidet mit nichts als einem Kapselgehörschutz.
Beim Kärchern trug er auch nur das Nötigste. Das waren Gummistiefel, Gehörschutz und eine selbst gemachte Schürze. Diese Schürze gibt es, länger als ich denken kann, denn sie wurde aus einem alten Faltdach eines VW-Käfer geschnitten. Als Träger dienen ausrangierte Rolladengurte. Die Schürze ist unkaputtbar und einzigartig. Eigentlich hatte ich versprochen, die Bilder nicht zu veröffentlichen, aber ich liebe es, meinen Vater so vertieft in seinem Element zu sehen und muss es einfach zeigen. Er trägt übrigens unter der Schürze eine kurze Hose.
Den Mann meiner Freundin habe ich natürlich auch fotografiert, aber ein schwarzer Overall kann mit der Schürze leider nicht mithalten.
Über all diese Bilder im Kopf hatte ich ganz vergessen, den Freund neulich zu fragen, wie er denn nun ausgesehen hat. Ich kann mir ja einiges vorstellen.
Daher jetzt ein Aufruf an meine Leser:
Was tragt Ihr beim Kärchern? Schickt mir Eure schönsten Bilder!

Duschen entspannt

Neulich kam ich nach Hause und fand einen Zettel im Treppenhaus:

Heizung defekt, Warmwasser frühestens wieder am Montag.

Super, wenn man nur am Wochenende zu Hause ist, dachte ich.

Am nächsten Tag fiel auch noch der Strom aus, mindestens für 3 Stunden.

Daher freute ich mich sehr aufs nächste Wochenende mit einer schönen, heißen Dusche und Stunden vor dem Rechner oder Fernseher. Wie man sich doch an so etwas gewöhnt…

Als ich dann voller Freude die Dusche anstellte, machte es knack und die Halterung war zerbrochen. Grrrh. Aber ich kam sowieso später am Baumarkt vorbei. In weiser Voraussicht hatte ich einen Zollstock an die Duschstange gehalten, um den Durchmesser zu ermitteln. Leider ungenau. 21mm hatte ich aufgeschrieben, doch es gab nur Halterungen in 18 oder 25mm. Was tun? Beide kaufen, um dann eine wieder umzutauschen oder das 50/50 Risiko eingehen? Ich entschied mich für 50/50. Und erwischte die falsche. Also wieder zum Baumarkt. Zurück im heimischen Bad, endlich mit der richtigen Größe wollte ich die zerlegte Duschstange etwas reinigen. Da macht es wieder knack und das Unterteil der Wandbefestigung zerbröselt. Hrrrrgggrrhmmpfff!!!!

Ich war total außer mir! Mein Freund musste alle Schubladen ziehen um mich zu überreden, ein drittes Mal (!!!!) zum Baumarkt zu fahren. Jetzt für eine komplett neue Duschstange. Er würde auch mitkommen und mich hinfahren. 40,- haben wir hingelegt für ein Ensemble, das zum Abstand der Dübel in der Wand passen sollte.

Na gut. Es passte. Als wieder alles montiert war, musste ich nur noch die Zierkappen auf die Wandhalterung schieben. Unten kein Problem. Aber oben wollte es nicht drauf rutschen. Ein wenig klopfen, drauf. Und schief. Und bewegt sich nicht mehr. Aaaaarrrrgghhhh!!!! Ok, man sieht es kaum, wenn man es nicht weiß. Die Funktion ist auch nicht beeinträchtigt. Wir lassen das jetzt so.

Büro-Talk

Neulich kam eine Kollegin vom Zahnarzt, doch anstatt zu jammern fing sie an, von dem gut aussehenden, charmanten Arzt und seiner tollen Praxis zu schwärmen.
So sehr, dass wir uns gefragt haben, was er ihr wohl in die Spritze getan hatte.
Als die Kollegin auch noch schwärmte, wie nett der Arzt seiner Helferin an den Arm gefasst hätte, gingen gleich die Spekulationen los, was der Arzt mit der Assistentin auf dem Behandlungsstuhl wohl alles treiben könnte. Es war ein heißer Tag und allen fiel es schwer, sich auf die Arbeit zu konzentrieren.
Von Hölzchen auf Stöcksken kam dann eine andere Kollegin mit einem Schwank aus ihrem Leben:
Die Kirmes im Nachbarort ist hier auf dem Land immer ein großes Ereignis. Alle sind da, vor allem abends im Festzelt. Wie die Kollegin mit einer Freundin zur Toilette geht – Frauen gehen ja immer zusammen – bemerken die beiden ein Pärchen in einer Toilettenkabine. Schnell ist auch klar, wer sich da mit wem vergnügt und dass die beiden eigentlich gar nicht zusammen gehören. Meine Kollegin in feucht-fröhlicher Stimmung hat zufällig einen leeren Bierkrug zur Hand. Ein Blick reicht, schon ist der Krug mit Wasser gefüllt und SCHWAPP! oben über die Toilettentüre auf das Pärchen in Aktion gekippt. Schnell aus dem Staub machen und sich nichts anmerken lassen, als die beiden Triebtäter mit nassen T-Shirts zurück in den Saal kommen!
Die Kollegin muss heute noch lachen, wenn sie die beiden sieht,
obwohl der Spaß schon lange her ist.
Wir lachen mit!

Magnus Maus

Endlich ist Magnus, die Strickmaus fertig.
Sogar mit Latzhose.
Die Anleitung ist von den wunderbaren Norwegern Arne & Carlos
aus dem Buch Gardenstrikk.
Ihr findet sie auch bei Brigitte:

http://www.brigitte.de/leben/wohnen/selbermachen/anleitung-zum-selbermachen–wir-stricken-uns–ne-maus—eine-magnus-gartenmaus–10159754.html

Wie immer hat es großen Spaß gemacht, so ein schönes Tier zu stricken,
allein die Farbwahl bei der Hose hat das Projekt ins Stocken gebracht.
Noch weiß ich nicht, für wen die Maus sein wird….

Auf dem Dach

Neulich war ich bei meinen Eltern. Es war der erste warme Frühlingstag und es war ein besonderer Tag, denn meine Mama war aus dem Krankenhaus entlassen worden. Obwohl es ihr immer noch ziemlich schlecht ging, saß sie nun wenigstens auf ihrem Sofa mit Blick auf den wunderschönen Garten. Mein Bruder hatte mich gebeten, den Gärtner zu bestellen, damit er die Dachrinne und möglichst auch das Dach von Laub und Dreck befreien sollte. Allerdings meinte mein Bruder, der Gärtner würde sich scheuen, auf das Dach zu steigen, gegebenenfalls wolle er dann selber nacharbeiten. Mein Bruder und klettern? dachte ich und war beunruhigt. Das Dach war doch immer mein Revier gewesen. Dort hoch gehen und ein wenig Laub fegen, das konnte ich doch machen. Der türkische Gärtner meiner Mutter ist ein charmanter Typ und flirtet für sein Leben gern. Beim ersten Mal war ich ganz schön irritiert. Arbeiten kann er aber auch. Als ich ihm erklärte, was zu tun sei und dass ich aufs Dach gehen würde, machte er große Augen. Natürlich kam er sofort mit rauf. Das Wetter war herrlich und auch wenn es ganz schön anstrengend war, hat es doch großen Spaß gemacht, die ganze Zeit Komplimente mit türkischem Akzent zu bekommen. Wir saßen auf dem Dachfirst für eine Zigarettenpause und er strich mir ein paar Haare aus dem Gesicht. Ziemlich kess fand ich das für einen treuen (?) Familienvater! Also machte ich mir einen Spaß und erzählte, dass ich 13 Jahre alt gewesen bin als wir 1982 das Dach ausgebaut haben. Lustig, wie der Gärtner anfing, auf türkisch an den Fingern abzuzählen, wie alt ich wohl jetzt sein müsste. Er kam zu dem Ergebnis, dass wir ungefähr gleich alt sind. Und dann war es auf einmal egal, dass wir auf dem Dach saßen, nicht weil es verboten war, sondern um dort zu arbeiten. Der Garten lag unter uns im rosigen Schimmer der Kirschblüten, die Aussicht war immer noch so grandios, wie vor 30 Jahren und es machte keinen Unterschied, ob man nun 18 oder 48 war. Sogar die Dachpfannen waren noch erstaunlich gut in Schuss. Und auch wenn ich mich nicht getraut habe, über den First zu balancieren – es hat sich immer noch genauso gut angefühlt, wie früher: Ganz oben zu sein!

Die Jane Fonda von Oberhonnefeld

Seit einiger Zeit habe ich einen neuen Job. Leider nicht in der Nähe meiner geliebten Heimatstadt Dortmund, sondern fernab der Zivilisation im Westerwald. Der Ort, in dem sich mein Arbeitgeber befindet, hat nur 1000 Einwohner. Ausser der Firma gibt es dort höchstens noch einen Angelverein. Ich habe eine kleine Wohnung ein paar Dörfer weiter bezogen, wo es immerhin einen Supermarkt und eine Tankstelle gibt und für den Sommer ein schönes Freibad. Nun werde ich oft gefragt, was ich denn hier so abends mache, so ganz alleine in der fernen Ödnis.
Eigentlich nichts anderes, als vorher auch nach einem langen Arbeitstag.
Auf der Suche nach einer Sportmöglichkeit hatte ich mir schon ein paar Fitness-Studios angeschaut, die mir alle nicht zusagten. Sogar in einer Tanzschule war ich zum Probetraining, doch leider wollte der gutaussehende Mitt-Fünfziger (der mir zur Seite gestellt wurde) das Training nicht mit mir fortsetzen. Eines Abends quoll mal wieder das lokale Anzeigenblättchen aus meinem Briefkasten.
Dort fand ich zwischen den aktuellen Wildschwein-Warnungen und Kettensägen-Seminaren eine kleine Notiz der Volkshochschule: Aerobic-Kurs, noch Plätze frei.
Der Termin passte gut, der Preis war günstig, die Veranstaltung lief im Nachbarort nicht allzu weit.
Schon griff ich zum Hörer und hab mich angemeldet.
Am nächsten Tag bin ich einmal vorbei gefahren, um zu sehen, wo der Kurs wohl stattfindet.
Zuerst konnte ich es gar nicht glauben. Es war nämlich in einem Vorort vom Nachbarort, und der Nachbarort ist nicht groß. Also am alleräußersten Rande der Welt, nur über winzig kleine, schmale Straßen zu erreichen, die sich über die Hügel und Felder nahe der A3 winden.
Am Ziel erwartete mich keine Turnhalle oder Gemeindehaus oder was auch immer man als Ort für einen Aerobic-Kurs erwartet hätte, sondern ein großes apricot-farbenes Haus, das sehr privat aussah. Doch als ich mich bei meinen Kollegen erkundigte, wunderte sich niemand. Das sei auf jeden Fall der richtige Ort.
Dann kam der erste Kurs-Abend. Trotz der Recherche im Vorfeld habe ich mich verfahren und kam zu spät. Hinter der Haustüre erwartete mich ein sehr privat wirkendes Treppenhaus mit Topfblumen, aus dem Keller hörte man Stimmen. Hier war ich richtig. Der Kursraum war zwar klein, aber es sollten ja auch nur 10 Teilnehmer sein. Der Partykeller dient als Umkleide: dort grüßen Pferdebilder von den Wänden, alte Hufeisen dienen als Garderobenhaken und über dem Tresen hängt eine alte Holz-Egge.
Die größte Überraschung war jedoch die Trainerin selbst. Bei ihrem Namen hatte ich keine junge Frau erwartet, aber Hildegard Runkel hätte locker meine Mutter sein können. Und ich bin auch nicht mehr die jüngste. Das Training war spitze. Bei Hilde im Keller lief fetzige Musik, es gab lustige Sprüche und fordernde Übungen. Hilde selbst turnt alles mit und achtet gleichzeitig darauf, daß alle richtig mitmachen. Und sieht dabei auch noch klasse aus. Schlank und geschmeidig bewegt sie sich im Takt, trägt Stirnband und Stulpen und ein Glitzershirt. Alter? Egal!
Neulich lief im TV eine Preisverleihung, bei der die echte Jane Fonda zu sehen war.
Sie ist genau der Typ. Jetzt freue ich mich jede Woche schon auf das Training im Keller am Ende der Welt. Es motiviert mich sehr, wenn ich sehe, wie fit man sein kann, auch weit jenseits der 30.
Und wenn Ihr mir nicht glaubt, könnt Ihr ja mal auf die Webseite der fitten Hilde schauen:

http://www.hilde-runkel.de